Betreuung in Kindertagesstätten wird endlich beitragsfrei

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Das Land will den Kommunen 55% der Personalkosten erstatten (statt 20% wie bisher, um einen Ausgleich zu schaffen) und diesen Betrag jährlich um 1% bis auf 58% steigern. Das klingt erstmal gut. Man muss allerdings wissen, dass hier nicht die tatsächlich anfallenden Kosten erstattet werden sollen. Es geht lediglich um eine Pauschale, errechnet auf der Basis von Gehältern, die vor zehn Jahren gezahlt wurden. Aushilfen und Vertretungskräfte sind gänzlich von dem pauschalierten Ausgleich ausgenommen. „Die Theorie kann den Praxistest hier nicht bestehen. 300.000 € Mehrausgaben sind nach der Berechnung für die Gemeinde Neu Wulmstorf zu erwarten“, gibt Anneliese Scheppelmann, Vorsitzende im Finanzausschuss der Gemeinde Neu Wulmstorf, zu Bedenken. Von den anfallenden höheren Betriebskosten, wie z. B. Heizkosten, spricht niemand. Immerhin gibt die Landesregierung die Zusage, dass Mittel, die der Bund für Investitionen zur Verfügung stellt, 1 : 1 an die Kommunen weitergeleitet werden sollen. Aber schon an diesem Beispiel zeigt sich, dass – mal wieder – die Kommunen einen wesentlichen Beitrag für die Beitragsfreiheit übernehmen sollen. Das hat mit der vielzitierten Konnexität (wer die Musik bestellt – bezahlt sie auch) allerdings nicht mehr viel zu tun. Auch die Absprache zwischen Land und Gemeinden aus den 90er Jahren scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Diese beinhaltet eine Drittelung der Kosten: 1/3 übernimmt das Land, 1/3 die Kommune und 1/3 die Eltern. Demnach müsste nach dem Wegfall der Elternbeiträge das Land deren Anteil der Kosten übernehmen und nicht nur einen Teil der nach einem Uraltschlüssel berechneten Personalkosten.


So bleibt ein großer Teil der Mehrkosten bei den Gemeinden hängen, die sich mit Recht Sorgen darum machen, wie sie ihre vielfältigen Aufgaben weiterhin erfüllen und bezahlen sollen, wenn ihnen immer neue Aufgaben ohne Ausgleich aufgebürdet werden. „Für die Beitragsfreiheit haben wir uns als Sozialdemokraten immer stark gemacht und die Freude überwiegt, aber für eine ehrliche Politik gilt es nicht nur Jubelstürme zu entfachen, sondern auch die aufkommenden Herausforderungen bei dem Finanzierungsmodell klar zu benennen.“ So Handtke weiter. Leider noch völlig ungeklärt ist die Situation der Kindertagespflege für die eine Beitragsfreiheit noch nicht geklärt ist. Hier sind viele Tagesmütter und -väter und ihre Existenzen betroffen und bilden gleichzeitig eine wichtige Säule im Betreuungsangebot ab. Im Vordergrund steht den Sozialdemokraten die Entlastung vieler Familien in Niedersachsen und im Landkreis Harburg. „Bei aller Euphorie dürfen wir nicht vergessen, dass wir an 365 Tagen im Jahr auch die Mittel zur Verfügung haben wollen und müssen, öffentliche Büchereien, Bäder, Sport- und Schulinfrastruktur zu finanzieren. Das ist unser Appell an die Landesregierung und an die vielen Abgeordneten, die zeitgleich auch in den Kommunen ehrenamtlich Verantwortung tragen. Es geht uns also nicht darum Wasser in den Wein zu schütten, aber auf das Preisschild zu verweisen, damit die Kommunen auch zukünftig in der Lage sind, viele wertvolle Strukturen für Kinder und Familien zu finanzieren.“

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    Über den Autor

    Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

    Andreas Scharnberg Redakteur