Krach in der Bezirksversammlung: Praktikanten sind nicht gleich Praktikanten

Felix Fehling

Damit war für zukünftige Praktikanten geklärt, dass diese unter bestimmten Voraussetzungen sowohl an der Bezirksversammlung, als auch an dem nichtöffentlichen Teil der Versammlung teilnehmen dürften. Als jetzt die Fraktion der Neuen Liberalen ebenfalls den Praktikanten Felix Fehling präsentierten, gab es Aufruhr bei den großen Parteien. "Wir haben das Praktikum doch ausschließlich für Schülerinnen und Schüler initiiert und nicht für Erwachsene Praktikanten", sagte Ralf-Dieter Fischer bereits im Vorfeld auf einer Pressekonferenz seiner Fraktion.


Kay Wolkau Kay Wolkau, der Fraktionsvorsitzender der Neuen Liberalen meint:  „Wir sind froh, dass Herr Fehling sich für die politische Arbeit in unserem Bezirk interessiert und hätten dies wenigstens ansatzweise auch von SPD und CDU erwartet. Als die CDU-Fraktion uns ihre Praktikantin im Ausschuss präsentierte, haben wir nicht eine Sekunde gezögert und sie willkommen geheißen. Bei Herrn Fehling sollen plötzlich andere Regeln gelten. Das ist reine Willkür. Es scheint, als wollten SPD und CDU sich in „Harburger Großmannssucht" gegenseitig übertrumpfen." Isabel Wiest, Bezirksabgeordnete und Mentorin von Fehling ergänzt: „Junge Menschen sollten im Zuge ihrer Ausbildung möglichst das gesamte Spektrum des praktischen Tätigkeitsfeldes aus eigener Erfahrung kennen lernen. Wir haben, anders als etwa die CDU, sowohl der Verwaltung als auch den Abgeordneten vorher mitgeteilt, dass wir unseren Praktikanten gerne bei an allen nichtöffentlichen Sitzungen dabei hätten. Bedenken der Verwaltung gab es keine. Ohnedies besteht für die nicht öffentlichen Sitzungen eine Verschwiegenheitspflicht auf die stets gesondert hingewiesen wird. Alle Abgeordneten sollten froh sein, wenn junge Menschen ein so aktives Interesse gerade auch an Kommunalpolitik zeigen wie Herr Fehling."


Felix Fehling Der 23-jährige niederländische Student studiert Europapolitik und ist seit dem 15. Februar 2017 Praktikant der Neuen Liberalen. Im Juni 2017 steht der Abschluss an, bis dahin soll auch das Praktikum andauern. Fehling zeigt sich enttäuscht:  „Gerne wäre ich bei den politischen Entscheidungsfindungen überall hautnah dabei gewesen. Auch deshalb habe ich bei den Neuen Liberalen für ein Praktikum angefragt. Es scheint mir, dass SPD und CDU hier im Bezirk ein sehr spezielles Verständnis von Gleichberechtigung und demokratischer Kultur haben. Liegt es jetzt an mir, weil ich Student bin oder weil ich mein Praktikum ausgerechnet bei einer Oppositionsfraktion wie den Neuen Liberalen mache?" „Wir fordern alle Fraktionen auf, Bezirkspolitik möglichst transparent zu gestalten und mehr junge Menschen für Demokratie zu interessieren. Ein Praktikum ist dafür eine erstklassige Möglichkeit", so Wiest und Wolkau abschließend.


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    Über den Autor

    Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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