Traditionelles Schlachtfest am Kiekeberg: Fleisch verarbeiten und wursten wie früher

Beim Schlachtfest am Kiekeberg steht die traditionelle Zubereitung von Fleischspezialitäten im Mittelpunkt. Im Hof Meyn zerlegt ein Hausschlachter fachgerecht ein Buntes Bentheimer Schwein und verarbeitet dieses zu Wurst. Interessierte erleben die verschiedenen Arbeitsschritte und erfahren alles rund um die Qualität und Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Fleischteile. Außerdem gibt es eine kleine Ausstellung zu Schlachtgeräten und einen Schlachtfilm. Ein Fleischer führt dort auch die Dosenverschlussmaschine vor. Passend zur kalten Jahreszeit gibt es heißes Sauerkraut oder Grünkohl mit Grützwurst, Wellfleisch und Bratwurst, Schlachtbrühe und Schmalzbrot vom Bunten Bentheimer Schwein. Zu den Kartoffeln direkt aus dem historischen Kartoffeldämpfer gibt es Quark. Besucher können das Fleisch der Bunten Bentheimer Schweine auch als Dosen- und Mettwurst mit nach Hause zu nehmen. Sie unterstützen so die Haltung der Tiere im Freilichtmuseum und tragen zum Erhalt dieser speziellen, vom Aussterben bedrohten Rasse bei.


Schweine waren bis in das 20. Jahrhundert hinein das wichtigste Vieh der Landbevölkerung: Es hatte eine hohe Schlachtausbeute. Das Fleisch wurde gepökelt, geräuchert oder in Sauer eingelegt. Nur an wenigen Tagen im Jahr wurde es frisch genossen, etwa zu den Hausschlachtungen im Winter. Waren die anstrengenden Arbeiten beendet, fand ein Schlachtfest, plattdeutsch „de Slachtköst“, statt. Bei einem winterlichen Rundgang über das Museumsgelände erleben große und kleine Besucher zudem die Darsteller der Gelebten Geschichte 1804. Sie zeigen die typischen Arbeiten, die im Winter vor 200 Jahren auf einem Hof anfielen: Die Frauen spinnen oder weben Flachs und Wolle, Männer versorgen das Vieh oder reparieren verschiedene Gerätschaften. Im Freilichtmuseum am Kiekeberg werden bereits seit Jahrzehnten Bunte Bentheimer Schweine gehalten, wie es um 1900 auf dem Land üblich war. Die robuste Rasse ist jedoch vom Aussterben bedroht. Vereine und private Züchter engagieren sich deshalb für deren Erhalt. Am Kiekeberg leben die Schweine artgerecht in dem rund 300 Jahre alten Schweinestall eines Heidebauernhofes. Hier können die Tiere selbst wählen, ob sie im Stall bleiben oder hinaus ins Freie wollen, wo sie sich sonnen und suhlen können.

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    Über den Autor

    Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

    Andreas Scharnberg Redakteur