Justizsenator Dr. Till Steffen stellt Erweiterung der Untersuchungshaftanstalt am Holstenglacis vor

Ein Blick in den noch nicht umgebauten C-Flügel. Justizsenator Dr. Till Steffen sagt: „Gute Haftbedingungen sind entscheidend für eine gelungene Resozialisierung. Man erkennt sie daran, dass ausreichend Personal vorhanden ist, den Inhaftierten Angebote zur Wiedereingliederung gemacht werden und es eine gute Unterbringung gibt. Wir arbeiten konsequent am Aufbau des Personalkörpers und haben jetzt die Trendwende erreicht. Wir stellen mehr ausgebildete Vollzugsbedienstete ein, als uns verlassen. Das Resozialisierungs- und Opferhilfegesetz ist auf den Weg gebracht, damit wir den Inhaftierten bereits während der Haft gute Startbedingungen in ein geregeltes Leben geben können. Mit der Sanierung des B-Flügels stehen uns 99 Haftplätze mehr zur Verfügung, die modernen Vollzugsstandards entsprechen und den Aufenthalt dort und die Arbeit mit den Gefangenen verbessern.“


„Diese Sanierung ist eher ein Tropfen auf den heißen Stein als ein großer Wurf. Die Hamburger Haftanstalten sind nach wie vor überbelegt und teilweise in sehr schlechtem Zustand“, erklärt Martin Dolzer, justizpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. Es gebe nicht genug Personal, der Betreuungsschlüssel sei nicht ausreichend.


Ein neuer Haftraum mit etwa 10 m². Der Umbau des B-Flügels in der Untersuchungshaftanstalt ist nach Angaben der Behörde sowohl in der Zeit- als auch der Budgetplanung geblieben. Entsprechend der Bauplanung dauerte die Sanierung 34 Monate, 16 Millionen Euro hat die Bürgerschaft dafür bereitgestellt. 2015 wurde mit dem Umbau begonnen. Das Ziel war eine komplette Sanierung des rund 140 Jahre alten Gebäudes nach modernen Vollzugsstandards. So wurden zwischen den Etagen Decken eingezogen, lange Flure mit zuletzt 73 belegungsfähigen Hafträumen zu kleineren Einheiten mit 99 modernen Hafträumen umgebaut. Bedienstete und Gefangene erwartet nun ein freundlicher, moderner und heller Gebäudeteil, der sich innen völlig gewandelt hat, von außen aber trotzdem dem historischen Anspruch der übrigen Anstalt gerecht wird. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten stehen in der UHA insgesamt 484 Plätze zur Verfügung.


Auch der kürzlich vorgestellte Entwurf für ein Hamburgisches

Resozialisierungs- und Opferschutzgesetz habe nach Meinung der Linken Schwächen: Dem Ziel, ab dem ersten Hafttag mit der Resozialisierung zu beginnen, werde er nicht gerecht, da der Entwurf sich hauptsächlich auf den Übergang von der Haft in die Freiheit konzentriere. „Statt kleiner Verbesserungen sollte Steffen eine ganzheitliche Reform durchsetzen. Das heißt: Therapieangebote, Ausbildungsplätze und Wohngruppen in Haft müssen ausgebaut, genügend sozial-kompetentes Personal eingestellt werden. Zudem sollten der Offene Vollzug zum Regelvollzug und Bagatelldelikte entkriminalisiert werden. So würde der Personalschlüssel in den Gefängnissen auch ohne Warten auf neu ausgebildete Justizbeamte sofort verbessert“, sagt Dolzer.

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    Über den Autor

    Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

    Andreas Scharnberg Redakteur