Zieht Verdi sich im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post aus der Verantwortung?

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Auffällig: Die Tarifkommission bezieht anders als üblich, keine Stellung zu dem Arbeitgebervorschlag, verzichtet auf eine Empfehlung an die Mitglieder. Würde die Kommission den Vorschlag ablehnen, wäre der Weg frei für Warnstreiks, die Tarifverhandlungen könnten nach der Urabstimmung als gescheitert gelten. Doch die Gewerkschaft spricht von einem "schwierigen" Angebot und will damit nach eigenen Angaben ein klares Signal der Mitglieder zu einem Arbeitskampf erhalten. Mit einem Ergebnis der Abstimmung wird erst im April gerechnet, möglicherweise ein Schachzug der Verdi, um die Warnstreiks der Post aus den Verhandlungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst herauszuhalten, wo es um rund 2,3 Mio. Beschäftigte geht.


Das Angebot der Post wird von einigen Gewerkschaftern als Provokation gesehen: 30 Euro Einmalzahlung für die Monate Februar bis September, insgesamt also 250 Euro und dann ab Oktober 2018 3% mehr Lohn- und Gehalt. Ab Oktober 2019 soll es dann weitere 2,1% mehr geben. Die Post will einen Tarifvertrag über 28 Monate, bis zum Mai 2020. Das bisher leistungsbezogene, variable Entgelt will die Post in einen fixen Lohnbestandteil umwandeln. Dieser soll unter den Beschäftigten gleichmäßig aufgeteilt werden. Die Postzulage für die 32.000 Beamten des Unternehmens soll bis zum Ende der Laufzeit des Tarifvertrages fortgeschrieben werden.


Versteckte Lohnsenkung? Wegen der ständig steigenden Arbeitsbelastung hatte Verdi im Jahre 2015 eine Arbeitszeitverkürzung gefordert, die Forderung dann aber fallen gelassen. In dieser Tarifrunde trat die Gewerkschaft nur noch mit der Forderung an, dass Beschäftigte sich zusätzliche freie Tage „erkaufen“ können, wenn sie bereit sind, auf die Lohn- und Gehaltserhöhung zu verzichten. Das hat die Deutsche Post nun vorgeschlagen. Für den Verzicht auf die dreiprozentige Lohnerhöhung soll es 60 Stunden „Entlastungszeit“ geben, für die 2,1 Prozent Ende nächsten Jahres 42 Stunden. Dies würde bei Inanspruchnahme durch die Beschäftigtem einem realen Lohn- bzw. Gehaltsverzicht bedeuten. Ob die Post mit diesem Angebot durchkommt, ist höchst fragwürdig. Im Konzern, der Milliardengewinne einfährt, brodelt es gewaltig. Die Zusteller klagen über regelmäßige und auf Plan angelegte Überlastung. Es werden Arbeitsleistungen erwartet, die nicht einbringbar seien. "Die Arbeitsmoral sei im Keller, viele Kollegen seien verzweifelt. An der Basis sei man ganz sicher bereit, die Post liegen zu lassen", so ein Zusteller aus dem Landkreis Stade.

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    Über den Autor

    Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

    Andreas Scharnberg Redakteur